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Richtfest im Mai 2003

Der kleine Cosimo wird zum Spaziergang abgeholt – die Mutter ist alleinerziehend, Christa gehbehindert.

Das Plenum tagt.

Einzugsfest am 13.12. 2003 – Aufforderung zum Tanz nach dem Festprogramm, an dem sich viele MitbewohnerInnen beteiligt hatten.

Die wöchentliche Lieferung der „Food-Cooperative“

Das Baugebiet K6 in Darmstadt-Kranichstein

Das Modell des Gebäudes im Rahmen der Ausstellung „Agenda 21“ in Darmstadt – August 2002

Workshop „Soziales Zusammenleben“ bei Wohnsinn am 16.11. 2002

WohnSinn am 28. Dezember 2003 - Die Sträucher und Bäumchen sind gesetzt. Wir warten auf den Frühling.

Wer und was ist „WohnSinn“?

Kurzer Abriss einer langen Geschichte,
die gerade erst beginnt

Bewerbung um den Otto-Mühlschlegel-Preis der Robert Bosch Stiftung GmbH Zukunft Alter Leben - Wohnen - Altern (Ausschreibung 2003/2004) durch die Bau- und Wohngenossenschaft WohnSinn e.G. in Darmstadt

Gliederung

1 Die Vorgeschichte
2 Wer sind wir heute ?
3 Aus vielen Zielen wird ein Konzept.
4 Der lange Weg der Umsetzung
5 Die Verwirklichung einer Vision:
6 Erste Bilanz, Ausblicke und Wünsche

1. Die Vorgeschichte

„Der kleinfamiliäre Wohnungsgrundriss; einreißen, umbauen, zusammen- oder querlegen oder was?”
So lautete der Titel eines Vortrages, der vor 13 Jahren, im Herbst 1990, im Rahmen einer Tagung gehalten wurde, zu der die Evangelische Erwachsenenbildung Darmstadt und die Stiftung „Die Mitarbeit” unter der Überschrift „Alternative Wohnformen” eingeladen hatte.

Aus TeilnehmerInnen dieses Forums sowie aus einigen Gruppen, die sich schon länger mit dem Thema „Wohnen im Alter” beschäftigt hatten, ging die erste Kerngruppe unserer heute bestehenden Genossenschaft hervor. Einige Mitglieder dieser Gründergeneration haben mit den in den Jahren danach Dazugekommenen die lange Durststrecke von 12 Jahren zwischen vagen konzeptionellen Vorstellungen, über Gestalt annehmende Pläne bis hin zum Bau des 2003 errichteten ersten Gebäudekomplexes – durchgehalten und bilden mit ihnen gemeinsam das stabile Rückgrat der Genossenschaft. Als eine Art „lebendes Gedächtnis” der Gruppe erinnern sie uns an die notwendige Zähigkeit und die Überzeugung von der eigenen Vision, die bürgerschaftliches Engagement braucht, damit sich schließlich Erfolg einstellt.

Damals wurde in ersten Arbeitsgruppen ein Konzept entworfen, mit dem Ziel, ein generationsübergreifendes, nachbarschaftliches und ökologisches Wohnprojekt zu schaffen. Im heute existierenden Wohnprojekt spiegeln sich diese Ideen wieder.

Auf der oben erwähnten Tagung, die wie eine Initialzündung wirkte, stellten die TeilnehmerInnen fest, dass viele andere Einzelne und Gruppen schon seit längerem an diesem Thema interessiert waren, dass also daran gegangen werden konnte, konkret zu planen und zu handeln. Wir studierten Berichte aus anderen ähnlichen Projekten, die schon weiter als wir waren, wie z.B. in Winterthur, Freiburg und Kempten und nahmen Kontakt mit den dortigen Planern und Bewohnern auf.

Bald traf sich eine stabile Gruppe regelmäßig in den Räumen des Darmstädter Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU), aus dessen Reihen nach und nach MitstreiterInnen hinzukamen und wichtige Impulse gaben. Am 08.12. 1992 wurde der „Förderverein Gemeinsames Wohnen Jung und Alt e.V.” gegründet. Aus den kreativen „Spinnern und Träumern” wurden Planer und Akteure, die sich mit möglichen Konzepten der inneren und der baulichen Struktur, mit den Problemen von Eigentum, Miete, Kreditbeschaffung und Nachhaltigkeit auseinander zu setzen hatten.

Die seit der Zeit der Genossenschaftsgründung stabil gebliebene „Kerngruppe”, ohne die kein Projekt dieser Größe vorankommen kann, erzielte in zwei Punkten rasch eine Übereinstimmung:

  1. Es sollte für eine zukünftige Bewohnerschaft geworben werden, die sozial gemischt sein sollte. Sie sollte häufig Benachteiligte, wie z.B.alleinerziehende Mütter und Menschen mit Behinderung einbeziehen, denen in unserer Gesellschaft zu wenig geeignete Wohnverhältnisse geboten werden.
  2. Es sollte eine mittlere Größe angestrebt werden, die sowohl enge Nachbarschaft wie auch die Freiheit zur Distanz untereinander ermöglicht.

Beim Nachlesen alter Protokolle und Berichte aus jenen „Gründerzeiten” fällt auf, dass die Konturen des heutigen Konzepts schon zu Beginn deutlich waren, wenn auch die konkreten Formen der Verwirklichung, wie sie damals gedacht wurden, noch erheblich von der heute erreichten Gestalt abwichen:

2. Wer sind wir heute ?

„Wir”, das sind nach wie vor der eingetragene Förderverein und die eingetragene Genossenschaft – jeweils mit anerkannter Satzung und den dort niedergelegten Regeln – und ganz neu unsere Hausbewohnerschaft von 83 Personen, im Alter zwischen wenigen Monaten und Mitte siebzig ( darunter 18 Singles und 27 Kinder unter 18 Jahren), die begonnen hat, ihr nachbarschaftliches Zusammenleben zu regeln, zu verwalten und zu gestalten.
Der Förderverein
Der 1992 gegründete gemeinnützige „Förderverein Gemeinsames Wohnen Jung und Alt e.V.” ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband und dient als Diskussionsforum und Dach für die Vorbereitung nachbarschaftlicher Wohnprojekte, für die er unter anderem durch die Vermittlung von Expertenwissen (Ökologisches Bauen, Soziales, Finanzierung) und von Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten fördernd tätig war und ist. Diese Funktion erfüllte er mit internen Beratungen, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit sowie öffentlichen Veranstaltungen nicht nur in den zurückliegenden Jahren. Er bewährt sich nach wie vor als Treffpunkt neuer Initiativgruppen mit neuen Mitgliedern, die sich z.Z. neuen Projektideen zuwenden.
Die Genossenschaft
Als erstes Wohnprojekt wurde das im Herbst 2003 fertiggestellte Gebäude in Darmstadt Kranichstein realisiert, nachdem sich zahlreiche Vereinsmitglieder zu einer Projektgruppe zusammenschlossen und im Februar 1998 die Bau- und Wohngenossenschaft WohnSinn e.G. gegründet hatten. Die damalige Entscheidung für die Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft hatte vor allem zum Hintergrund, dass diese autonome Projektträgerschaft ein hohes Maß an rechtlicher und finanzieller Sicherheit für die beteiligten Mitglieder bietet und gleichzeitig die Freiheit gewährleistet, Grundsätze und Ziele des Zusammenlebens in der Satzung zu verankern. Hinzu kommt, dass wesentliche Prinzipien des Genossenschaftsrechts unserem Selbstverständnis entsprechen: