Zuluft → Wärmetauscher → Abluft
schematisch dargestellt

Trotz sehr niedriger Außentemperatur scheint die Innentemperatur wohlig ausgeglichen zu sein.

Schema, wie sich die Frischluft - getrennt durch Metallplaten - an der warmen Abluft wärmt -
und zur frischen, aber gewärmten Zuluft wird und die Fortluft das System verlässt.

Wärmerückgewinnung am Wärmetauscher:
die warme Abluft erwärmt die frische Zuluft

Unser Passivhaus – energiesparend, komfortabel, kostengünstig

Heizenergieverbrauch von WohnSinn

Die Gebäude von WohnSinn 1 und WohnSinn 2 sind im Passivhausstandard errichtet. Das bedeutet, die Gebäude verlieren so wenig Wärme, dass sie sich weitgehend ohne Heizung warm halten. Dass das nahezu heizkostenfreie Passivhaus-Konzept tatsächlich funktioniert, zeigen die niedrigen Energiekosten bei WohnSinn. Dank der guten Dämmung und der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung beläuft sich unser Heizenergieverbrauch nur noch auf ein Bruchteil des üblichen.
Das 3.860 Quadratmeter großes Mehrfamiliengebäude von WohnSinn1 mit 39 Wohneinheiten hatte 2012 einen Heizwärmebedarf (ohne Warmwasser) von umgerechnet 6.200 Liter Heizöl (62.000 Kilowattstunden). Pro Wohneinheit entspricht dies der Energiemenge von 159 Liter Heizöl (1,6 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr).
Die maximal erforderliche Heizleistung, um 39 Wohneinheiten an kalten Tagen warm zu halten, beträgt etwa 35 Kilowatt. Dies entspricht dem Bedarf eines „normalen“ Vierfamilienhauses im Gebäudebestand.

Warum wir ein Passivhaus gebaut haben

Gebäude sollten bezahlbar, komfortabel und behaglich sein und möglichst wenig Energie verbrauchen.
Das Passivhaus erfüllt diese Kriterien optimal. Die Mehrkosten sind nicht sehr hoch, der Heizenergieverbrauch liegt nahezu bei null und, wichtig für niedrige Betriebskosten, es benötigt nur sehr wenig Gebäudetechnik. Die gesamte Heizungstechnik besteht aus einem kleinen Wärmeerzeuger für die Warmwasserbereitung und die winterliche Zuheizung sowie einer Lüftungsanlage. Einmal gebaut, hält sich das Haus weitgehend selbst warm. Die Bedienung für Heizung und Lüftung ist einfach. Es gibt nur zwei einstellbare Elemente: Ein Thermostat für die Einstellung der Wartungsbedarf ist auf Grund der einfachen Technik gering: Einmal im Jahr sind zwei Filter auszuwaschen und ein Filter zu wechseln.
Im Winter entfällt das lästige und energieaufwendige Fensterlüften, es gibt garantiert keinen Schimmel und die Luftqualität ist wesentlich besser, als bei einer Fensterlüftung nach Gefühl.
Das alles war mit geringen Mehrkosten realisierbar. Bei WohnSinn wurden die Passivhaus-Mehrkosten nicht separat ermittelt, Kostenrechnungen bei anderen Gebäuden zeigen aber, dass die Passivhaus-Mehrkosten gegenüber einem nach der Energieeinsparverordnung 2009 gebautem Haus im Bereich von überschaubaren 8% liegen. Die geringen Mehrkosten sparen wir durch die Passivhausförderung und die sich über die Jahre aufsummierende Energiekostenersparnis problemlos wieder ein.

Der Passivhausstandard ist bereits vielfach erprobt

Wer heute ein Passivhaus baut, betritt kein unsicheres Neuland. Das Passivhaus ist eine Weiterentwicklung des seit Jahrzehnten bewährten Niedrigenergiehauses. Seit dem Bau des ersten Passivhauses 1991 wurden tausende von Wohngebäude und zahlreiche Schulen, Kindergärten und Firmen im Passivhausstandard errichtet. Die europäische Union strebt an, dass ab 2021 nur noch Gebäude im Passivhausstandard errichtet werden.

Was ist ein Passivhaus und wie funktioniert es?

Warum müssen wir im Winter heizen? Die Sonne scheint schließlich auch im Winter hin und wieder durch die Fenster und jede Person liefert 80 Watt Heizleistung. Dazu kommt noch die Wärmelieferung durch elektrische Geräte, die Beleuchtung und das Kochen. Der Grund ist, dass bei üblichen Gebäuden zu viel Wärme durch die Fensterlüftung und die Wände verloren geht.
Die Lösung für ein Haus ohne Heizung ist somit im Prinzip ganz einfach. Die Gebäudewärmeverluste müssen so weit verringert werden, dass nicht mehr Wärme abfließt, als durch die solare Einstrahlung und innere Wärmequellen kostenlos nachgeliefert wird. Jeder Eisbär demonstriert, dass sich mit einer ausreichenden Wärmedämmung auch bei großer Kälte gut leben lässt. Grundsätzlich lassen sich Gebäude so gut dämmen, dass die solare Einstrahlung und die inneren Wärmequellen zur Beheizung ausreichen. Eine Gesamtkostenbetrachtung zeigt aber, dass es kostengünstiger ist, etwas weniger stark zu dämmen und dafür in geringem Umfang zuzuheizen.
Muss ein Haus beheizt werden, fallen Kosten für den Wärmeerzeuger, die Heizflächen und die Verrohrung an. Der Clou des Passivhauskonzepts ist es, die Kosten für Heizflächen und deren Verrohrung einzusparen, in dem die ohnehin erforderliche Frischluftzufuhr zur Beheizung genutzt wird. Das dafür erforderliche Lüftungssystem ist in einem Energiesparhaus ohnehin vorhanden, um die hohen Fenster- Lüftungswärmeverluste durch den Einsatz einer Wärmerückgewinnung zu vermeiden. Beim Passivhaus wird jetzt die Dämmstärke genau so stark gewählt, dass die aus hygienischen Gründen ohnehin erforderliche Frischluftmenge ausreicht, um die benötigte Wärme in die Räume zu transportieren.
Die für Beheizung erforderliche Anwärmung der Luft erfolgt über ein in die Lüftungsanlage eingebautes kleines Heizregister, Heizkörper sind nur noch im Bad erforderlich. Damit ein Frischluftheizsystem ein Gebäude beheizen kann, ohne dass die Luft umgewälzt werden muss, darf der Heizwärmebedarf nicht mehr als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr betragen. Dies entspricht dem Energiegehalt von 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter. Die erforderliche Heizleistung liegt dann bei 10 Watt pro Quadratmeter. Das bedeutet, dass ein 150 qm – Einfamilienhaus pro Jahr nicht mehr als umgerechnet 225 Liter Heizöl für dir Raumheizung und eine Heizleistung von 1,5 Kilowatt benötigt.
Dies entspricht der Leistung eines elektrischen Heizlüfters.

Der Vergleich mit einem Standardneubau zeigt den Vorteil des Passivhausstandards : Wird dasselbe 150 Quadratmeter-Gebäude nur gemäß den Neubauvorgaben der seit Oktober 2009 geltenden Energieeinsparverordnung gedämmt, benötigt es ca. 8.250 Kilowattstunden an Heizwärme –entsprechend 825 Liter Heizöl – und eine Heizleistung von 4,6 Kilowatt. Der Passivhausstandard spart somit gegenüber der gesetzlichen Neubauanforderung rund 70% an Heizenergie ein.

Benötigt ein Gebäude mehr als 15 Kilowattstunden Heizwärme pro Quadratmeter, reicht die erforderliche Frischluftmenge für den Wärmetransport nicht aus. Es müssen dann zusätzlich Heizflächen montiert und verrohrt werden. Die dafür anfallenden Zusatzkosten bewirken in Verbindung mit den höheren Heizkosten, dass Gebäude, die mehr Wärme als ein Passivhausbenötigen, letztlich teurer sind.

Wie wird ein Haus zum Passivhaus?

Beim Passivhaus liegen die erforderlichen Dämmstärken ungefähr beim Doppelten dessen, was die EnEV für einen Neubau vorschreibt: Außenwand 30 cm, Dach 40 cm, Bodenplatte 20 cm Dämmstoff.
Weitere unerlässliche Komponenten sind Fenster mit Dreifach-Verglasung und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.
An die Größe der Fensterflächen bestehen keine besonderen Anforderungen. Eine Südausrichtung der Hauptfensterflächen ist günstig, aber nicht zwingend. Die WohnSinn-Gebäude weisen eine Ost-West-Orientierung auf und funktionieren dennoch problemlos. Im Norden sollte die Fensterfläche eher gering gehalten werden. Die Fenster können auch im Winter jederzeit kurz geöffnet werden, auf Grund der Lüftungsanlage macht dies aber nur selten Sinn.

Im Neubau verursacht die Fensterlüftung ungefähr die Hälfte der gesamten Gebäudewärmeverluste. Diese hohen Wärmeverluste lassen sich durch den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung um rund 90% vermindern. Die Lüftungsanlagen sind in Passivhäusern keinesfalls deswegen erforderlich, weil diese auf Grund der guten Dämmung weniger „atmen“ könnten. Kein Gebäude „atmet“ über die Wände. Aufgabe der Lüftung ist die Verminderung der Wärmeverluste. Gleichzeitig erhält man durch eine Lüftungsanlage aber auch eine höchst komfortable und völlig zugfreie Form der Frischluftzufuhr, die das Haus garantiert schimmelfrei hält. Man kann problemlos die Wäsche in der Wohnung trocknen, nach dem Duschen die Badtüre auflassen und beliebig viele Pflanzen aufstellen. Ein weiterer Vorteil: Wer unter einer Pollenallergie leidet, kann die Lüftungsanlage auch mit einem Pollenfilter ausstatten.
Die Wärmerückgewinnung ist eine sehr einfache Technik. Das Lüftungsgerät enthält ein Blechpaket, durch das die warme Abluft und die kalte Zuluft jeweils durch Bleche getrennt aneinander vorbei-strömen. Die Bleche übertragen die Wärme der Abluft auf die einströmende Frischluft. Diese wird dadurch lediglich angewärmt, ansonsten aber in keiner Weise verändert.
Die Lüftungsanlage ist das einzige Passivhausbauteil, das einmal im Jahr gewartet werden muss. Erforderlich ist eine Reinigung des Gerätes, der Austausch des Zuluftfilters und das Auswaschen der übrigen Luftfilter. Der Bedienungsaufwand beschränkt sich darauf, an einer Bedienungseinheit die gewünschte Frischluftmenge einzustellen. Der Stromverbrauch liegt für 120 Quadratmeter Wohnfläche ungefähr bei 220 Kilowattstunden im Jahr (ca. 60 € Stromkosten).

Wie verhält sich das Passivhaus im Winter?

Auf Grund der geringen Wärmeverluste müssen Passivhäusern nur in den lichtarmen Monaten November, Dezember, Januar und Februar aktiv beheizt werden.
Wer in der kalten Jahreszeit trotz der großzügigen Frischluftzufuhr durch die Lüftung zusätzlich die Fenster für eine Stoßlüftung kurz öffnen möchte, kann dies zwar tun, es ist aber überflüssig, führt zu trockener Luft und erhöht die Heizkosten.
Auf Grund der guten Dämmung sind auch unbeheizte Räume annähernd so warm wie beheizte. Dies bedeutet, dass unbeheizte Schlafzimmer auch im Winter angenehme Sommertemperaturen aufweisen. Dies ermöglicht ganzjährig ein sehr komfortables Schlafen mit leichter Sommerbettwäsche. Wer im Winter partout kälter schlafen möchte als im Sommer, kann im Einfamilienhaus im Schlafzimmer nachts auch das Fenster kippen. Die Luft wird dadurch zwar nicht frischer, aber kälter. In unserem Mehrfamiliengebäude sollten allerdings keine Fenster gekippt werden, da die Heizenergie nicht nach Verbrauch, sondern nach Wohnfläche abgerechnet wird und der Mehrverbrauch durch gekippte Fenster somit von den anderen Bewohnern mitgetragen werden muss.
Kalte Winterluft enthält nur sehr wenig Feuchtigkeit. Die Wohnungsluft wird daher um so trockener, je mehr gelüftet wird. Dieser Effekt tritt unabhängig davon auf, ob über die Fenster oder über eine Lüftungsanlage gelüftet wird, da ja immer dieselbe Außenluft zugeführt wird.
In Wohnungen mit wenig Feuchtequellen, d. h. geringer Personenzahl, wenig Pflanzen und wenig Kochvorgängen, kann bereits die hygienisch empfohlene Frischluftzufuhr an kalten Wintertagen zu einem als unangenehm empfundenen Absinken der Luftfeuchte führen. Eine höhere Luftfeuchte lässt sich in diesen eher seltenen Fällen durch das Einbringen zusätzlicher Feuchtequellen wie Pflanzen, dem Trocknen von Wäsche oder dem Einsatz von Luftbefeuchtern erzielen.

Das Passivhaus im Sommer

Die Energieeinsparung durch die Lüftungsanlage ist nur im Winter erforderlich. Von Frühjahr bis Herbst kann wie in anderen Gebäuden einfach über die Fenster gelüftet werden. Im Sommer verhalten sich alle gedämmten Gebäude gleich. Die Dämmung schützt vor der äußeren Hitze, hat aber auch zur Folge, dass einmal eingedrungene Wärme, beispielsweise durch offene oder unverschattete Fenster, im Gebäude bleibt, sofern sie nicht nachts weg gelüftet wird. Dieser Effekt tritt in jedem gedämmten Gebäude auf, nicht nur in Passivhäusern. Zur nächtlichen Ablüftung der Wärme ist die Lüftungsanlage zu schwach. Eingedrungene Wärme kann nur über die Fenster weggelüftet werden. Dies funktioniert sehr gut, wenn zwei bis drei Fenster während der gesamten Nacht nicht nur gekippt, sondern vollständig geöffnet bleiben. Durch ein langes nächtliches Lüften wird die Nachtkühle im Gebäude gespeichert. Werden dann tagsüber die Fenster bei hohen Außentemperaturen geschlossen gehalten, was im Passivhaus auf Grund der Lüftungsanlage problemlos möglich ist, und besonnte Fenster außen verschattet, bleibt das Gebäude tagsüber angenehm kühl. Unsere Erfahrungen bei WohnSinn bestätigen dass sich das Gebäude auch bei sehr heißen Sommertage komfortabel bewohnen lässt.